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Die Bedeutung von Emotionen am Arbeitsplatz

In der Arbeitswelt wird oft erwartet, dass wir unsere Emotionen am Arbeitsplatz zurückhalten und nur so professionell auftreten. Es wird angenommen, dass emotionale "Ausbrüche" unangemessen sind und sich negativ auf die Arbeitsleistung auswirken. Aber neue Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft und der Psychologie legen nahe, dass Emotionen am Arbeitsplatz nicht nur natürlich, sondern auch notwendig sind, um unsere Arbeitsleistung und unser psychologisches Wohlbefinden zu verbessern.



Warum wir uns wieder mit uns verbinden sollten


Die New Work Expertinnen Joana Breidenbach und Bettina Rollow haben treffend beschrieben, dass Menschen oft auf äußere Themen fokussieren, wie zum Beispiel das Lernen in der Schule oder an der Universität, sowie auf die Errungenschaften der Menschheit. Dabei vernachlässigen wir jedoch häufig die Auseinandersetzung mit uns selbst als Mensch und unserem Verständnis für uns selbst.


Emotionen sind von vielen Faktoren abhängig


Dr. Lisa Feldman Barrett, eine führende Expertin auf dem Gebiet der Neurowissenschaften, vertritt die Meinung, dass Emotionen nicht in starren Kategorien existieren, sondern aktiv von unserem Gehirn konstruiert werden. Diese Konstruktion wird stark von unserem Umfeld und unseren Erfahrungen beeinflusst. Wenn wir Fehler machen und dafür bestraft werden, kann sich unsere kognitive Kapazität einschränken. In einem Arbeitsumfeld, das positive Erfahrungen bietet, können positive Emotionen wie Freude, Begeisterung und Dankbarkeit erlebt werden. Diese Emotionen verbessern nicht nur unser Wohlbefinden, sondern beeinflussen auch unsere kognitiven Fähigkeiten, sozialen Beziehungen und Stressmanagement.



Positive Emotionen können uns helfen, kreativer und flexibler zu sein. Wenn wir glücklich sind, sind wir besser in der Lage, innovative Ideen zu entwickeln und Probleme effektiv zu lösen. Darüber hinaus können positive Emotionen auch unsere sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz verbessern. Wenn wir positiv gestimmt sind, sind wir offener für Zusammenarbeit und können empathischer auf die Bedürfnisse unserer Kollegen eingehen.


Ein gesteigerte Selbstkontakt fördert ein gutes Arbeitsklima


Es ist von großer Bedeutung, dass wir unsere Emotionen am Arbeitsplatz angemessen ausdrücken und uns nicht von ihnen überwältigen lassen. Allerdings sollten wir unsere Emotionen nicht unterdrücken. Im Gegenteil: Indem wir unsere Emotionen bewusst wahrnehmen und akzeptieren, können wir besser verstehen, was uns motiviert, blockiert oder antreibt. Dieser gesteigerte Selbstkontakt befähigt uns, unser eigenes Verhalten zu reflektieren. Außerdem fällt es uns dann leichter, uns in unsere Kolleg:innen und Vorgesetzten besser hineinzuversetzen, was zu einer verbesserten Kommunikation und einer produktiveren Zusammenarbeit beiträgt.


Dr. Lisa Feldman Barrett betont auch, dass es wichtig ist, negative Emotionen nicht zu unterdrücken. Wenn wir uns gezwungen fühlen, unsere negativen Gefühle zu verstecken, kann dies langfristige negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unsere Arbeitsleistung haben. Stattdessen sollten wir lernen, unsere negativen Emotionen in gesunden Grenzen auszudrücken und uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Um unser Verhalten achtsam verändern zu können, ist es sinnvoll zu verstehen, welche Mechanismen dahinterstecken.


Indem wir uns bewusst Zeit nehmen, um unsere negativen Gefühle zu verarbeiten und zu verstehen, können wir uns selbst besser regulieren und unsere psychische Gesundheit fördern. Negative Emotionen können uns auch helfen, auf bestimmte Probleme und Herausforderungen aufmerksam zu machen, die in unserem Arbeitsumfeld auftreten können. Wenn wir lernen, diese Herausforderungen als Chance zur Verbesserung zu betrachten, können wir uns in unserer Arbeitsumgebung besser anpassen und uns weiterentwickeln.


Letztendlich geht es darum, dass wir uns bewusst sind, dass Emotionen ein natürlicher Bestandteil unseres Lebens und unserer Arbeitsumgebung sind. Empathie ist eine wertvolle Kompetenz. Der Arbeitsplatz sollte ein Ort sein an den Emotionen im gesunden Maße gelebt werden können und so die innere und äußere Welt miteinander verbunden werden kann. So entsteht ein authentisches und positives Arbeitsumfeld, in dem unsere Emotionen akzeptiert und geschätzt werden.


Breidenbach, J. & Rollow, B. (2019). Die entfaltete Organisation: Mit Inner Work die Zukunft gestalten. Vahlen.

Feldman Barrett, L. (2018). How Emotions Are Made: The Secret Life of the Brain. Pan Macmillan.

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